Alumni Portrait

Karl Sagmeister, Schneider Electric Austria Ges.m.b.H.

Karl Sagmeister

© Schneider Electric Austria Ges.m.b.H.

Ing. Karl Sagmeister, MBA ist Absolvent des General Management MBA und seit 2017 Geschäftsführer der Schneider Electric Austria Ges.m.b.H., öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster Das Unternehmen ist führend in der digitalen Transformation von Energiemanagement und Automation und bietet intelligente Lösungen für Privathaushalte, Gebäudetechnik, Rechenzentren sowie für Infrastrukturanbieter und die Industrie an. Im aktuellen Alumni Portrait erzählt Karl Sagmeister, warum Schneider Electric gut auf die Corona-bedingten Herausforderungen vorbereitet war und warum es keine Konflikte zwischen seinem Berufs- und Privatleben gibt.

 

Bei Schneider Electric wurde die Bedeutung des Themas Home Office schon vor längerer Zeit erkannt. Inwieweit war das ein Vorteil bei der Bewältigung der Herausforderungen aufgrund der Corona-Pandemie?

Wir arbeiten schon seit mehreren Jahren erfolgreich mit einem Home-Office-Konzept. Mit unserer Initiative „Workplace of the Future“ haben wir die Möglichkeiten der digitalen Zusammenarbeit erheblich ausgebaut und damit der Digitalen Transformation im eigenen Hause Rechnung getragen. Daher sind unsere Kollegen bestens mit Hard- und Software ausgestattet, alle unsere Abläufe sind digitalisiert. Tablets, Smartphone, VPN, virtuelle Konferenzen und Team-Meetings auch mit externen Partnern gehören bei uns zum Arbeitsalltag – wenn auch heute intensiver als noch zu Beginn des Jahres. Unser Dokumentenmanagement ist voll digitalisiert und jeder kann mit entsprechenden Berechtigungskonzepten auf die benötigten Dokumente in der Cloud zugreifen. Unsere hauseigene Cyber-Security Unit und unsere Zertifizierung nach ISO 27.001 (Integriertes Informations-Sicherheits-Management-System) sorgen dafür, dass die notwendigen Sicherheitsstandards auch im Home-Office stets eingehalten werden.

In unserm neuen Standort in Wien haben wir die architektonische Ausgestaltung der Büroflächen an unsere agile Arbeitsweise angepasst: „Raum-in-Raum“-Konzepte beispielsweise erlauben das spontane Teammeeting in Lounge-Atmosphäre ohne andere akustisch zu stören. In „Think Tanks“ treffen sich kleine Arbeitsgruppen zum intensiven abgeschirmten Arbeiten, ohne zu nahe beieinander zu sitzen. Unsere Außendienstmitarbeiter oder Kollegen, die nur zeitweise im Büro sind, nutzen einen „Touch-Down-Arbeitsplatz“. 

In der derzeitigen Situation kommt uns diese Architektur sehr entgegen. Denn auch wenn die meisten Kolleginnen und Kollegen im Home-Office arbeiten, gibt es immer wieder notwendige Anlässe, um sich im Büro zu treffen. Dies ist hier unter den gebotenen Abstandsregeln problemlos möglich.

 

Was war Ihr größter beruflicher Erfolg bisher?

Die größten Erfolge hatte ich gefühlt immer im Zusammenhang mit Kunden. Hier gibt es zahlreiche positive Erinnerungen im Zusammenhang mit großen Aufträgen, die ich mit unterschiedlichen Teams über die Jahre an Land ziehen konnte. Der größte persönliche Erfolg war für mich die Beförderung zum Country General Manager bei Schneider Electric. Diese Position bei einem Weltkonzern mit einer so spannenden Geschäftstätigkeit zu erreichen, war definitiv mein persönliches Karriere-Highlight.

 

Wie hat die Absolvierung des General Management MBA zur Verwirklichung Ihrer Karriereziele beigetragen? Wovon haben Sie am meisten profitiert?

Ich habe den General Management MBA auf Basis von fundierter Praxiserfahrung absolvieren können und am Meisten habe ich dabei von den zahlreichen Konzepten und Lösungsansätzen für die diversen Business-Herausforderungen profitiert. Auch die interkulturelle Zusammenarbeit und die Möglichkeit, an ausländischen Universitäten Module zu absolvieren, haben meinen Horizont erweitert. Letztlich war es auch die wissenschaftliche Herangehensweise an Problemstellungen, welche mir bereits sehr oft gute Dienste im Zusammenhang mit meinen beruflichen Herausforderungen geleistet hat.

 

Und was war die größte Herausforderung auf Ihrem bisherigen Berufsweg?

Ich sehe die aktuelle Situation rund um die Auswirkungen der COVID-19 Krise als meine bisher größter Herausforderung. Es gab noch keine vergleichbare Situation und noch nie gab es auch in bereits gefestigt geglaubten Märkten komplett neue Chancen. Erfahrungen nutzen im Moment wenig, und es geht darum, agil, jeden Tag aufs Neue lernend und mutig mit Unternehmergeist und den Teams in die Zukunft zu gehen und neue Wege zu beschreiten.

 

In welcher Hinsicht haben Ihnen die während des MBA-Programms erworbenen Qualifikationen bei der Bewältigung dieser Herausforderung geholfen?

Im Lauf der letzten Monate ging es noch stärker als zuvor darum, agile Arbeitsmethoden anzuwenden und Business Modelle zu hinterfragen oder neu zu designen. Beides Themenstellungen, mit denen wir uns im Rahmen des MBA-Programmes ausführlich nicht nur theoretisch (z.B. im Rahmen einer Studienreise nach San Francisco und einem Modul an der Stanford University), sondern besonders auch im Rahmen von praktischen Übungen detailliert auseinandersetzen durften.

 

Was zeichnet Ihrer Meinung nach eine gute Führungspersönlichkeit aus?

Zunächst sollte eine Führungskraft begeistert von ihren Aufgaben sein – sowohl fachliche als auch menschliche Herausforderungen sollten Freude bereiten, nicht Frust. Selbstachtung, Reflexionsfähigkeit und die Bereitschaft zur Reflexion sowie zum permanenten Lernen sind weitere wichtige Aspekte. Die Bodenhaftung zu behalten und eine offene, unternehmensadäquate Kultur als Vorbild zu leben und damit aktiv mitzugestalten sind relevante Aspekte. Und nicht zuletzt die richtige Balance aus Unterstützung und Delegation sowie zwischen aktuellem und zukünftigem Geschäft sollte eine gute Führungskraft für sich selbst und die Mitarbeitenden schaffen.

 

Mit welchen Zukunftsthemen sollten sich Manager_innen unbedingt beschäftigen?

Es klingt abgedroschen, trotzdem ist es aus meiner Sicht nach wie vor unumgänglich, sich mit der Digitalisierung in allen Bereichen unseres Lebens zu beschäftigen. Dies betrifft sowohl die Arbeits- als auch die Privatwelt. Im Zusammenhang mit der Digitalisierung passieren große Veränderungen und hier sollte man als Manager keinesfalls den Anschluss verpassen. Darüber hinaus gibt es immer auch branchenbezogene Megatrends, die mehr oder weniger direkte Relevanz für den jeweiligen Verantwortungsbereich haben können. Bei mir ist es aktuell die Energiewende mit allen dazugehörigen Veränderungen wie z.B. dem Vormarsch von alternativen Energieformen, der Urbanisierung sowie dem Thema e-Mobilität.

 

Wie schaffen Sie es, Beruf und Privatleben in Balance zu halten?

Für mich ist die Trennung von Berufs- und Privatleben stets eine dynamische Angelegenheit. Mit zunehmender Entwicklung (oder vielleicht auch mit zunehmendem Alter?) gelingt es mir immer mehr, in jeder Situation, egal ob beruflich oder privat, derselbe Mensch zu sein. Es kostet mich deshalb keine Energie mehr, authentisch zu sein. Das hilft ungemein und reduziert die gefühlte Belastung. Ansonsten gehe ich einfach bewusst mit meiner Zeit und meinen Ressourcen um – dynamisch und angepasst an die jeweiligen Herausforderungen. Aufgrund der Freiheit, die mir Schneider Electric im Zusammenhang mit meiner Arbeitsgestaltung ermöglicht, kann ich überall und zu jeder Zeit produktiv sein und bin nicht an Räumlichkeiten oder Zeitraster gebunden. Dazu unterstützt mich auch meine Familie in jeder Hinsicht, was ein toller Rückhalt ist. Ich kann mich deshalb nicht an eine einzige Konfliktsituation erinnern, in der ich bewusst entscheiden musste: Beruf oder Privatleben.

 

Welche Person würden Sie gern kennenlernen? Warum?

Sir Ernest Shackleton, der britische Polarforscher ist definitiv eine Persönlichkeit, die mich fasziniert. Seine Fähigkeit, scheinbar unmögliche Situationen gemeinsam mit seiner Mannschaft zu meistern (z.B. im Rahmen seiner Endurance Expedition) sind beeindruckend. Ich hätte nur zu gerne aus seinem eigenen Mund gehört, wie er das geschafft hat, und wie viele seiner Handlungen er bewusst so gesetzt und was er einfach ohne viel nachzudenken intuitiv richtig gemacht hat.

 

Was verbindet Sie heute noch mit dem Continuing Education Center der TU Wien? Haben Sie noch Kontakt zu anderen Studierenden oder Vortragenden?

Ich versuche, mit dem CEC der TU Wien Kontakt zu halten und mich, wenn immer möglich einzubringen. Das aufmerksame Lesen des Newsletters ist ein kleiner Teil davon und immer wieder nehme ich die Gelegenheit zur Teilnahme an einer der zahlreichen Veranstaltungen wahr. Ich treffe öfter ehemalige Vortragende im Zusammenhang mit meiner beruflichen Tätigkeit und gebe zu, das eine oder andere Mal auch bereits einen Rat oder eine Meinung zu einer meiner Herausforderungen eingeholt zu haben. Mit einigen Studienkolleginnen habe ich nach wie vor Kontakt, insbesondere mit jenen, mit denen mich das berufliche Netzwerk oder ein gemeinsames Interesse verbindet.

 

Welche (beruflichen und/oder privaten) Ziele haben Sie sich für die nächsten zehn Jahre gesteckt?

Ich sehe mich als Österreicher in Österreich als höchst privilegierten Menschen an. So gut wie uns geht es auf der Welt kaum jemand anderem. Somit gibt es keine materiellen Ziele, die mich motivieren. Mein wichtigstes privates Ziel ist es, gesund zu bleiben und das Leben weiterhin so zu genießen, wie es mir bisher möglich war. Beruflich möchte ich mich weiter entwickeln und möglichst viele Dinge lernen. Funktional möchte ich in den nächsten zehn Jahren meine Tätigkeiten etwas von operativen, hin zu strategischen Schwerpunkten verlagern, habe aber kein konkretes Berufsziel vor Augen, dem ich hinterherlaufe. Gemäß meinem Lebensmotto: „Mache den Unterschied, ohne unersetzlich zu sein“, möchte ich in jeder meiner Aufgaben mein bestes geben und wirksam sein.