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Wir wollen unseren Alumni einen guten Heimathafen bieten

Wolfgang Güttel

© W. Güttel

Prof. Wolfgang Güttel ist seit 1. September 2020 neuer Dean des Continuing Education Centers sowie Professor für Personal- und Unternehmensführung am Institut für Managementwissenschaften der TU Wien. Er ist seit über zwei Jahrzehnten in der universitären Forschung und Lehre im Management-Bereich tätig und verfügt darüber hinaus auch über umfangreiche praktische Erfahrung als Consultant großer Unternehmen. Diese Verbindung von Forschung, Lehre und Wirtschaft soll künftig auch am CEC sichtbarer werden. Seine Pläne und Visionen für die Alumni Services des CEC verrät uns Prof. Güttel im folgenden Interview.

 

Worin besteht Ihrer Meinung nach der Nutzen von Alumni-Netzwerken? Was ist ihre Funktion im Rahmen postgradualer Programme?

Das Durchschnittsalter typischer Absolvent_innen von postgradualen Weiterbildungsprogrammen beträgt rund 35 Jahre. Wenn wir davon ausgehen, dass wir bis zu einem Alter von 70 oder 75 Jahren arbeiten werden dann zeigt sich, dass noch viele Jahrzehnte zwischen dem Abschluss des postgradualen Studiums und dem Ende der Berufstätigkeit liegen. Hier kommen Alumni-Aktivitäten ins Spiel. Denn besonders die kontinuierliche Veredelung der eigenen Wissensbasis durch Impulse aus Vorträgen und Diskussionsrunden, Site-Visits in Unternehmen oder durch den informellen Austausch mit anderen Alumni während sozialer Aktivitäten sichert die persönliche Wettbewerbsstärke. Zudem können vertrauensvolle Beziehungen zwischen Alumni auch zur Lösung schwieriger Karrierefragen oder Führungsherausforderungen genutzt werden. Denn wir versuchen in den Leadership-Kursen immer, die Methodik der kollektiven Fallberatung einzusetzen, wo Teilnehmer_innen eigene Fälle in Kleingruppen analysieren und Lösungsmöglichkeiten erarbeiten. Diese Methodik kann im späteren Karriereverlauf immer wieder wechselseitig eingesetzt werden. Alumni, die während der Programme ein vertrauensvolles Verhältnis zueinander aufgebaut haben, können daher ihre ehemaligen Kommiliton_innen nutzen, um deren Wissen für die Lösung schwieriger beruflicher Fragestellungen zu verwenden.

 

Hat Österreich im internationalen Vergleich da noch Aufholbedarf?

Hier ist die Antwort kurz: ja! Verglichen mit den Netzwerken, die beispielsweise in den USA zwischen Alumni geknüpft werden, sind die Alumni-Aktivitäten im deutschsprachigen Raum bescheiden. Das Angebot an alternativen Veranstaltungsformaten ist hierzulande so groß und egalitär, dass Alumni-Vereinigungen in Wettbewerb zu anderen Vereinen stehen. Außerdem hinken die Marketingaktivitäten der Universitäten im deutschsprachigen Raum jenen in den USA noch deutlich hinterher, weshalb der Stolz, eine renommierte Institution für die eigene Weiterbildung genutzt zu haben, wie dies bei der TU Wien der Fall ist, vergleichsweise gering ausgeprägt ist. Es ist daher Luft nach oben. Wir entwickeln am CEC zur Zeit Pläne, um das Angebotsspektrum weiter auszubauen und unseren Alumni einen guten Heimathafen zu bieten, um die eigene Wissensbasis kontinuierlich aufzutanken.

 

Welche Schwerpunkte wollen Sie künftig im Bereich Alumni Services setzen?

Wir werden eine Plattform für unterschiedliche Formen der Wissensveredelung werden. Dazu setzten wir zahlreiche Maßnahmen. Erstens werden wir weiterhin auf Vorträge und Diskussionsveranstaltungen setzen, die dazu dienen, die Breite und Tiefe der TU Wien sichtbar zu machen und spannenden Praktiker_innen ein Podium zu bieten. Neben der inhaltlichen Dimension besteht dabei auch immer Gelegenheiten zur Vernetzung und zum ungezwungenen Austausch.

Wir werden zweitens verschiedene Medien mit den Inhalten bespielen. Das reicht von Social-Media-Aktivitäten, um kleine Impulse zu setzen, bis hin zu Praxisbeiträgen in der Austrian Management Review, die nun auch für das CEC als Transferzeitschrift stärker in den Mittelpunkt rückt. Darin werden seit rund einem Jahrzehnt aktuelle Forschungsprojekte aus dem Managementbereich sowie Praxiseinsichten anwendungsorientiert aufbereitet.

Drittens bietet besonders unser neues MBA-Konzept verschiedene offene Kurzformate – wir nennen sie Sprints – wo wir uns aktuellen Themen widmen können. Aktuell bereiten wir beispielsweise ein 6-Tages Sprint-Programm vor, das sich dem Thema New Work widmet. Denn besonders durch Corona besteht der Bedarf nach Weiterqualifizierung im Bereich Arbeitsmethoden (Home-Working bzw. hybride Formen der Arbeit), den rechtlichen Rahmenbedingungen für Home-Working sowie der IT-mäßigen Unterstützung, um die digitalen Möglichkeiten für neues Arbeiten nutzen zu können. Wir werden bestimmt dieses Seminar und ähnliche Veranstaltungsformate unseren Alumni zu besonderen Konditionen anbieten können. Denn durch kurze Impulse und den dort auch möglichen Austausch in neuen Netzwerken halten sie ihr Wissen zeitgemäß. In ähnlichem Sinne werden wir auch unsere Learning Journeys öffnen, die ebenfalls im 6-Tage-Modus durchgeführt werden. Aktuell planen wir Learning Journeys nach Berlin und Göteborg um die Auseinandersetzung mit digitalen Geschäftsmodellen in Europa zu fördern, nach Stuttgart um im Herzen der Automobilhersteller nach Möglichkeiten zur Weiterentwicklung der Mobilität zu suchen oder nach New York, um sich mit neuen Servicekonzepten auf digitaler Basis auseinanderzusetzen.

Als vierte Komponente der Weiterqualifizierung betrachten wir kleine Konferenzformate, die eine gute Vernetzung zwischen Wissenschaft und Praxis fördern. Als TU Wien sind wir bei vielen technologischen Entwicklungen am Puls der Zeit, und am CEC wissen wir, wie neue Technologien in Märkte getragen werden können und welche Fähigkeiten Führungskräfte bzw. welche Kompetenzen Unternehmen dafür benötigen. In einem Zweitagesformat können diese Theorie-Praxis-Konferenzen eine entscheidende Brücke bauen, um neues Wissen für die Praxis nutzbar zu machen. Wir haben viel vor. Gleichzeitig möchten wir aber auch unseren Alumni zuhören und nach ihren Bedürfnissen fragen, um Impulse für unsere eigene Weiterentwicklung zu bekommen. Auch dazu werden wir passende Räume – inhaltlich, sozial und zeitlich – einräumen. In diesem Sinne freuen wir uns auf eine Co-Creation der CEC-Alumni-Aktivitäten.

 

Was können Alumni Ihrer Meinung nach einbringen? Was würden Sie sich wünschen?

Wir wünschen uns ein reges Alumni-Leben, wo sich Absolvent_innen von neuen Wissensangeboten inspirieren lassen, die vertrauensvollen Netzwerkbeziehungen kontinuierlich festigen und proaktiv mit Ideen auf uns als CEC zukommen, damit wir passende Angebote und Formate entwickeln können. Die Alumni Services des CEC sind kein Selbstzweck. Wir haben nur dann eine Daseinsberechtigung, wenn wir tatsächlich den Bedürfnissen unserer Alumni entsprechen und einen erfahrbaren Mehrwert liefern. Deshalb brauchen wir kontinuierliche Resonanz, um zu verstehen, wie unsere Ideen ankommen und wie sie von unseren Alumni weiterentwickelt werden, um attraktive Einbindungsmöglichkeiten zur gemeinsamen Wissensentwicklung zu schaffen. Selbstverständlich wünsche ich mir aber auch, dass unsere Alumni die Angebote des CEC sehr aktiv und stolz in die Welt tragen. Denn mit jedem neuen Teilnehmer und jeder neuen Teilnehmerin, die später zu Alumni werden, wächst das Netzwerk und dadurch auch die Chance, neue spannende Einblicke und Informationen zu bekommen.

 

Welche individuellen Fähigkeiten werden in Zukunft entscheidend sein? In welchen Bereichen sollten sich Alumni weiterbilden?

Niemand kann die Zukunft vorhersagen. Dennoch lässt sich eine zunehmende Technisierung und Digitalisierung des Führungs- und Berufsalltags feststellen. Deshalb muss die erste Adresse für die Weiterqualifizierung auch die TU Wien sein. Führungskräfte werden zunehmende technologische Mitsprachekompetenz benötigen, um die Arbeitswelt der unteren Ebenen noch zu verstehen und die Vielfalt an digitalen Geschäftsmöglichkeiten nutzen zu können. Das führt zur Notwendigkeit, sich fachlich und methodisch weiterzubilden. Auf sozialer Ebene verändern neue Technologien das Kommunikations- und Interaktionsverhalten zwischen Führungskraft und Mitarbeiter_innen bzw. Führungskraft und Team. Die Spannbreite reicht von der Nutzung von Big Data und Artificial Intelligence zur Entscheidungsunterstützung des gesamten Teams bis zur genauen Überwachung der Vertriebsaktivitäten und der Reiserouten von Mitarbeiter_innen. Die Technologien werden nicht immer einen positiven Einfluss auf die Führer-Geführten-Beziehung haben. Deshalb tun Führungskräfte gut daran, wenn sie strukturiert einen Raum zur Reflexion und zur Weiterentwicklung ihrer sozialen Fähigkeiten nutzen, wie wir das bei unseren 9-tägigen Leadership Retreats schaffen. Denn der falsche Einsatz neuer Technologien kann im Team großen Schaden anrichten.

Letztlich brauchen Führungskräfte in Zeiten wie diesen besonders gut ausgeprägte strategisch-konzeptionelle Fähigkeiten. Sie müssen, kontinuierlich über ihren operativen Tellerrand hinausblicken, oft widersprüchliche Informationen aus verschiedenen Quellen in einer schnelllebigen und diffusen Zeit sortieren, Entscheidungen über daraus resultierende Chancen oder Gefahren für das eigene Unternehmen bzw. den eigenen Bereich treffen und sehr konsistent einen von ihnen entwickelten Umsetzungsplan verfolgen. Mit diesen strategisch-konzeptionellen Fähigkeiten müssen sie in der Lage sein, in ihren Verantwortungsbereichen Unternehmen bzw. Organisationen weiterzuentwickeln. Denn nur durch ständige innovative Impulse können Wettbewerbsvorteile erschlossen bzw. Arbeitsbedingungen intern optimiert werden. Die Nutzung neuer technologischer Möglichkeiten hängt daher fundamental von den Fähigkeiten der Führungskräfte ab, deren vielfältiges Potenzial schnell zu erkennen, dann Entscheidungen für deren Einsatz zu treffen und konsequent die notwendigen Veränderungsprozesse zu steuern. Alumni sind daher gut beraten, wenn sie sowohl technologisch am Puls der Zeit bleiben als auch kontinuierlich ihre Management- und Führungsfähigkeiten weiterentwickeln. Wir unterstützen sie nach besten Möglichkeiten dabei!