11. June 2012

Grundbuch-NEU: Wie sieht es aus? Wie greift es sich an? Wie riecht es?

Der IMMO Talk zum Thema Grundbuch-NEU am 05.06.2012 war ein voller Erfolg. Über 40 TeilnehmerInnen versammelten sich im neuen TU Corner und informierten sich über das neue Grundbuch.


(v.l.n.r) Dieter Zoubek, Peter Hubalek, Bob Martens

Zwei namhafte Experten erläuterten eingehend die Neuerungen, die das Grundbuch-NEU bringt und haben es den ZuhörerInnen – quasi zum Anfassen – mit praktischen Anwendungsbeispielen näher gebracht.

Der leitende Staatsanwalt aus dem Justizministerium und Leiter der Abteilung Informations- und Kommunikationstechnik, Dr. Peter Hubalek, strich hervor, dass das Grundbuch – neben dem Firmenbuch – DIE bedeutendste Abfragemöglichkeit im Wirtschaftsleben darstellt. Nachdem die alte Grundstücksdatenbank nunmehr 32 Jahre in Betrieb war, es keine wesentlichen technologischen Erneuerungen gab und auch die Software-Programme schon ziemlich veraltet sind, war es nun an der Zeit, neuen Anforderungen und Zielsetzungen Rechnung zu tragen.

Bei den Änderungen wurde daher nicht nur auf die Bedürfnisse jener Verwaltungsstellen, die die Daten im Grundbuch bearbeiten, Rücksicht genommen, sondern auch auf die BenutzerInnen, die Daten aus der Grundbuchsdatenbank abfragen. Vieles hat sich vereinfacht und verbessert: Die Grundbuchsdatenbank und die Abfrageprodukte wurden vollständig erneuert, Urkunden werden nun auch elektronisch gesammelt und verlinkt. Die Verwaltungsstellen müssen nicht mehr jeden Einzelfall „manuell“ bearbeiten, sondern können bei Entscheidungen auf automationsunterstützte Entscheidungsvorschläge zurückgreifen. Für die BenutzerInnen wurden u.a. die Zeilengebühr durch eine Pauschalgebühr pro Abfrage ersetzt und der Gebühreneinzug automatisiert. Bei der Suche nach einer bestimmten Liegenschaft ist nun auch eine phonetische Suche möglich. D.h. die Adresse der gesuchten Liegenschaft muss nicht 100 %-ig korrekt geschrieben werden - eine große Hilfe für die BenutzerInnen.

Bei einigen Detailfragen gibt es allerdings noch Verbesserungspotenzial. So erinnert z.B. die Abfrage nach der letzten Tagebuchzahl Dr. Hubalek eher an eine Frage aus der „Millionen-Show“. (Zur Erklärung: Das Tagebuch ist das Geschäftsregister des Grundbuchs. Die letzte TZ gibt an, wann die letzte Eintragung vollzogen wurde.) Etwas schwierig gestaltet sich auch die Unterscheidung zwischen
Region, Gemeinde, Ortschaft, Bezirk, Ort und Ortsname. Aber mit etwas Geschick und unter Zuhilfenahme der Hilfefunktion findet man auch hier zum Ziel.

Dipl.-Ing. Dieter Zoubek, CMC, Geschäftsführer der Firma IMD GmbH und allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Internet und Rechtsinformatik, fokussierte auf die praxisbezogene Anwendung. „Wie sieht das Ding aus? Wie greift es sich an? Wie riecht es?“, waren seine ersten Worte. Mit einer Beispieladresse, die er online eingab, demonstrierte er, was die BenutzerInnen suchen können, ob und wie die Datenbank bei nicht korrekt eingegebenen Adressen reagiert und Ähnliches mehr.

Das Grundbuch-NEU ist seit 07.05.2012 in Betrieb. Anhand erster Erfahrungswerte wird an weiteren Verbesserungen gearbeitet. Der Release 1.6 ist voraussichtlich für Juli 2013 geplant. In Arbeit ist derzeit auch EULIS (European Land Information System), das europäische Pendant zum österreichischen Grundbuch-NEU.

Die beiden Vortragenden haben sich hervorragend ergänzt – ein kongeniales Duo. Beim anschließenden Buffet standen sie dem Publikum für Fragen zur Verfügung. Fazit: Die Veranstaltung blieb bis zur letzten Sekunde spannend und interessant.

 


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