10. April 2013

Neue Anforderungen an die „klassische“ Diplomatie


Klimawandel und Energiewende bestimmen zunehmend die Tagesordnung der Weltpolitik. Die Schiefergasförderung in den USA stellt Europa vor neue Herausforderungen. Im Bereich der Diplomatie werden neue Ansätze daher immer wichtiger.

Die Aufgaben der klassischen Diplomatie – die Verständigung zwischen Staaten – müssen aufgrund moderner Herausforderungen breiter werden. Eine aktive Rohstoffdiplomatie, bilateral wie auf EU-Ebene, sowie die technischen Aspekte der Bereiche Umweltpolitik und Klimawandel gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die Auswirkungen dieser Entwicklungen standen im Zentrum einer Podiumsdiskussion im Haus der Industrie.

Peter Koren, Vize-Generalsekretär der Industriellenvereinigung und Bereichsleiter der Industriepolitik, machte in seiner Begrüßung auf die wesentlichen Unterschiede der Energie- und Umweltpolitik zwischen den USA, China und Europa aufmerksam. Während sich die beiden Wirtschaftsgiganten USA und China auf die Bereiche Forschung & Entwicklung, technische Lösungen sowie verschiedene Geschäftsmöglichkeiten spezialisieren, konzentriere sich die EU weiterhin auf Einschränkungen für Unternehmen sowie prozentuelle Beschränkungen bei den CO2-Emissionen, so Koren. Dies bestätigte auch Gottfried Steiner (CEO Central European Gas Hub), der anhand der aktuellen Zahlen aufzeigte, dass die Europäische Industrie mit den weltweit größten Konzernen nicht mehr mithalten könne. Die Gaspreise in den USA betrügen nur noch rund ein Fünftel verglichen mit den Preisen in der EU und seien achtmal niedriger als jene in China. Die sei ein großer Vorteil der USA und eine gewollte Strategie, betonte Steiner in seinen Ausführungen. Aus diesem Grund sollte eine gemeinsame Energie-Strategie der europäischen Staaten höchste Priorität genießen.

In diesem Zusammenhang müsse auch die klassische Diplomatie um neue Skills erweitert werden. Diese sei laut Botschafter und Direktor der Diplomatischen Akademie Wien (DA), Hans Winkler nicht mehr ausreichend. Neue Kenntnisse und Fachwissen im technischen Bereich seien notwendig, egal ob im öffentlichen oder privaten Sektor, meinte Winkler. Er betonte weiters, dass Handlungsbedarf weniger bei „der EU“ gegeben sei, sondern vor allem bei den nach wie vor souveränen, einzelnen Mitgliedsstaaten. Um technische und diplomatische Skills zu verbinden habe die DA gemeinsam mit der Technischen Universität Wien den Studienlehrgang ETIA (Environmental Technology & International Affairs) ins Leben gerufen. Die ehemalige ETIA-Absolventin, Cornelia Schenk beschrieb, dass sie von beiden Bereichen als Angestellte bei der Österreichischen Energieagentur sehr profitieren konnte. Richard Kühnel, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich bestätigte den Bedarf an zusätzlichen Kenntnissen für Diplomaten. In der Vergangenheit hätten Diplomaten auf Experten herabgesehen und umgekehrt Experten die Arbeit der Diplomaten nicht geschätzt – dies sei heutzutage anders, war Kühnel überzeugt.


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