19. August 2014

Faculty Spotlight: Dipl.-Ing. Dr.techn. Markus Gratzl-Michlmair

Dipl.-Ing. Dr.techn. Markus Gratzl-Michlmair

Heute im Gespräch: Dipl.-Ing. Dr.techn. Markus Gratzl-Michlmair, Ingenieurbüro Gratzl e.U., Vortragender im Masterprogramm MEng Nachhaltiges Bauen.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach einen postgradualen Lehrgang aus?

Postgraduale und berufsbegleitende Lehrgänge richten sich an eine bestimmte Zielgruppe, nämlich an Menschen mit hoher Eigenmotivation und großem Geschick in der Selbstorganisation. Durch die langfristige Doppelbelastung aus Beruf, Studium und eventuell noch privaten oder familiären Rahmenbedingungen ist es selbsterklärend, dass die Studierenden derartiger Lehrgänge eine Zielstrebigkeit auszeichnet, die bei „normalen“ Studierenden nicht unbedingt vorausgesetzt werden kann. Dazu kommt die Notwendigkeit, mit den verfügbaren Zeitressourcen das bestmögliche Ergebnis beim Studienfortschritt zu erzielen. Diese Notwendigkeit geht zwar in manchen Fällen ein wenig zu Lasten des im Rahmen des Studiums erworbenen Wissens – was aber aus meiner Sicht kein erhebliches Manko darstellt, denn: Langfristig von viel größerer Bedeutung ist es, dass sich die Studierenden Methoden zurechtlegen, neue Inhalte in der zur Verfügung stehenden Zeit für sich zu erschließen.
Diese drei Aspekte – Eigenmotivation, Selbstorganisation und die Herangehensweise an neue Aufgaben – sind es auch, die die Absolventen und Absolventinnen eines derartigen Lehrgangs aus meiner Sicht speziell auszeichnen und somit für die Praxis besonders interessant machen.

Was sind die Schwerpunkte Ihrer Vorlesung?

Ich halte im Lehrgang „Nachhaltiges Bauen“ Lehrveranstaltungen zu den Themen Gebäudetechnik und Qualitätssicherung beziehungsweise Optimierung des Planungsprozesses. Daraus ergeben sich zwei wesentliche Schwerpunkte: Einerseits wird vermittelt, welche traditionellen und innovativen haustechnischen Systeme dazu geeignet sind, Energie mit größtmöglicher Effizienz in Gebäuden bereitzustellen. Andererseits soll erreicht werden, dass das erworbene Wissen zur Energieeffizienz von Gebäuden und haustechnischen Anlagen schlussendlich bestmöglich in den praktischen Planungsprozess integriert werden kann. Dazu werden Werkzeuge und Methoden vorgestellt, die diese Integration vereinfachen.

Welche speziellen Herausforderungen ergeben sich beim Unterricht in einem postgradualen Programm?
Die Herausforderung ergibt sich im Grunde aus den Studierenden selbst: Es handelt sich bei ihnen nämlich um erfolgreiche Praktikerinnen und Praktiker, die ihr persönliches Portfolio um einen qualitativ hochwertigen Baustein ergänzen wollen. Dafür sind sie bereit, in eine zusätzliche Ausbildung zu investieren. Im Gegenzug erwarten sie jedoch selbstverständlich hochwertige Lehrveranstaltungen und Vortragende, die Wissen auch entsprechend aufbereiten und vermitteln können. Dieser Anspruch verknüpft mit dem Umstand, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer üblicherweise einen sehr breit gestreuten, heterogenen beruflichen Hintergrund aufweisen, stellt die spezielle Herausforderung für mich als Lehrenden in einem solchen postgradualen, berufsbegleitenden Programm dar.

Profitieren Sie selbst auch vom Unterricht in einem postgradualen Programm?

Definitiv - und zwar aufgrund mehrerer Aspekte: Ich werde durch das anspruchsvolle Publikum stets dazu angespornt, innovative Methoden der Wissensvermittlung für mich zu erschließen und in den Lehrveranstaltungen einzusetzen. Davon profitiere ich dann regelmäßig bei anderen Vorträgen, Lehrveranstaltungen und ähnlichem. Zudem ist das Feedback der Studierenden in einem solchen postgradualen, berufsbegleitenden Programm wesentlich präziser als das bei grundständigen Studien, weswegen ich es viel effektiver zur Qualitätssicherung und -steigerung bei den eigenen Lehrinhalten nutzen kann. Besonders empfinde ich aber den Kontakt zu den Studierenden und anderen Lehrenden, die allesamt Experten in ihrem Gebiet sind, als eine große Bereicherung.


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