04. April 2016

Erbsenzählen an der TU Wien


ImmoABS auf der TUtheSky-Terrasse mit Blick über Wien

ImmoABS – Exkursion zum Plus-Energie-Bürohochhaus der TU Wien

Am 31.03.2016 nutzten neun KollegInnen von ImmoABS, dem Absolventenverein der Immobilienlehrgänge und -studien der TU Wien die Gelegenheit, Österreichs größtes Plus-Energie-Bürogebäude mit der größten fassadenintegrierten Photovoltaikanlage zu besichtigen. Alexander David, MSc führte uns zuerst in den Veranstaltungsraum „TUtheSky“ im 11. Stock, wo wir einen herrlichen Ausblick von der Terrasse über ganz Wien genossen. Im Seminarraum im 10. Stock lieferte er uns dann die Hard Facts zum Gebäude, bevor er uns am Schluss in eines der Untergeschoße zur Haustechnik führte.

Das Gebäude am Getreidemarkt speist mehr Energie ins Stromnetz ein, als für Gebäudebetrieb UND Nutzung benötigt wird. Mit dem Plus-Energie-Bürohochhaus realisierte die TU Wien in Kooperation mit dem Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft und der BIG ein Forschungs- und Bauprojekt, das es in dieser Form noch nie gegeben hat.

Das Gebäude wurde 1969-71 errichtet, hieß damals TU-intern „Chemiehochhaus“ und war eine typische Energieschleuder der 70er. Nach der Sanierung (2012-14) hat dort die Fakultät für Maschinenwesen und Betriebswissenschaften die Räume bezogen.  Mit einer Nettonutzfläche von 13.500 m2 auf 11 Stockwerken bietet das Gebäude  nun Platz für ca. 800 TU-MitarbeiterInnen, eine Auslastung inkl. Seminarräume und Hörsäle bis 1.800 Personen ist möglich.

Über die am Dach aufgestellte und über die in die Südwest- und Südost-Fassade integrierte PV-Anlage (insgesamt 2.199 m2) sowie mittels der Energierückgewinnung des Aufzugs wird direkt am bzw. im Gebäude elektrische Energie gewonnen. Sollte die gewonnene Energie den aktuellen Stromverbrauch des Gebäudes übersteigen, wird der Überschuss von benachbarten Gebäuden der TU Wien verbraucht. Falls zu wenig elektrische Energie gewonnen wird, wird der fehlende Strom aus dem elektrischen Netz bezogen.

Zur Heizung des Gebäudes wird primär die Energierückgewinnung der Serverabwärme genutzt. Sollte diese nicht ausreichen, um den aktuellen Wärmeverbrauch zu decken, wird die fehlende Wärme aus dem Wiener Fernwärmenetz bezogen. Die Kälte, die benötigt wird, um den Serverraum und das Gebäude in den wärmeren Monaten zu kühlen, wird mittels Hybridkühltürmen und einem automatischen Nachtlüftungssystem aus der Umgebungsluft gewonnen. Dass dies tatsächlich funktioniert, konnten die KollegInnen von ImmoABS mit eigenen Augen sehen – beim Verlassen des Seminarraums waren wie durch Zauberhand die Fenster geöffnet.

Um ein angenehmes Raumklima und Energieeffizienz zu gewährleisten, ist es notwendig, die Wärmeverluste und –einträge zu reduzieren. Dies erfolgt durch Weiterentwicklung der Passivbauweise: wärmebrückenfreie Dämmung, extrem luftdichte Gebäudehülle, Lüftungsanlage mit Wärme- und Feuchterückgewinnung sowie Verschattung mittels Außenjalousien. Die im Serverraum anfallende Wärme wird effizient weggekühlt bzw. in den kühlen Monaten zum Heizen genutzt. Weiters gelingt durch die Optimierung aller Energieverbraucher, die internen Lasten auf ein Minimum zu reduzieren: es kommen nur noch energieeffiziente Geräte zum Einsatz und zwar dann, wenn sie wirklich gebraucht werden. Das Gebäude ist mit intelligenter Technik ausgestattet, durch die es sich raumweise in einen Zustand begibt, in dem es die geringste Energie verbraucht. Auch davon konnten wir uns überzeugen: Mittels Bewegungsmelder und CO2-Sensoren lässt sich die Anzahl der Personen in einem Raum feststellen, wodurch dann die Lüftungsanlage automatisch gesteuert wird. Die Beleuchtung schaltet sich bei Verlassen eines Raumes zeitverzögert ab. Sogar die Notleuchten am Gang brennen nur im Notfall. Auch über den Aufzugstüren sind die Displays während der Nachtstunden im Standby-Modus und schalten sich nur bei Bedarf ein.

Durch dieses „Erbsenzählen“ – pardon: durch Evaluation von über 9.300 Einzelkomponenten (von der LED-Lampe über Bürogeräte bis hin zu Küche, Aufzug, Lüftung und Servern) – konnte der Energieverbrauch extrem reduziert werden: Von 803 kWh/m2 Bruttogrundfläche pro Jahr auf 56 kWh/m2.a. Bei einer konventionellen Sanierung hätte man es lediglich auf 458 kWh/m2.a (entspricht typischem Bürobau) gebracht. Wenn wundert es da noch, dass die TU Wien mit diesem Forschungsprojekt etliche Auszeichnungen eingeheimst hat - klima:aktiv Gold-Plakette, Österreichischer Solarpreis 2015, Staatspreis für Umwelt- und Energietechnologie 2015, um nur einige zu nennen.

Fazit: Ein ausgesprochen interessantes Projekt, bei dem der Begriff „Energieeffizienz“ eine neue Dimension erreicht!


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