20. October 2017

Nachbericht zum ersten ETIAtalk zum Thema „Natural Disaster Prevention“ am 13.Oktober 2017


Diese hochrangige, von Studenten organisierte Podiumsdiskussion fand am UN Natural Disaster Prevention Day statt und konzentrierte sich auf die Ausarbeitung nationaler und internationaler Maßnahmen zur Prävention von Naturkatastrophen beziehungsweise zur Minimierung ihrer Auswirkungen, sowie zur Funktion der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Institutionen, die sich mit der Etablierung von Katastrophenpräventionsmethoden befassen.

Die Debatte wurden von Magdalena Meergraf, Journalistin bei GAP, Biorama und des Kurier Gesundheitsextras moderiert. Die wissenschaftliche Seite des Podiums wurde durch Priv. Doz. Dr. Mag. Christoph Matulla, Leiter Climate Impact Group, ZAMG, vertreten, während Priv. Doz. DI Dr. Florian Rudolf-Miklau, Leiter Wildbach- und Lawinenverbauung, BMLFUW, den politischen Standpunkt vertrat. Dies wurde durch Dr. Susanne Hanger-Kopp, von ETH Zürich & IIASA, Klimaschutz & -adaption, EU Klimapolitik, ergänzt, welche einen sozialwissenschaftlichen Aspekt in die Debatte brachte. Dr. Eberhard Faust von Munich RE und dem Corporate Climate Center,  Geo Risk Research, rundete das Podium mit der Versicherungsperspektive ab.

Die Diskutanten stellten verschiedene Kriterien fest, um festzustellen, wann ein Ereignis zu einer Naturkatastrophe erklärt werden kann. Während von der Versicherungsseite aus die Schadenstatistik und die Anzahl der Ereignisse entscheidend sind, würde aus wissenschaftlicher Sicht ein Erdrutsch wahrscheinlich werden, wenn in den Alpen drei Tage Regen von mehr als 150 mm mit mindestens einem Tag von mehr als 60 mm gemessen wird.  

Während die Experten auf regionalem Maßstab nur minimale Veränderungen in der Anzahl der Naturkatastrophen als Auswirkung des Klimawandels zu verzeichnen sind, ist auf globaler Ebene eine Anzahl an extremen Wetteraufzeichnungen quantitativ deutlich angestiegen. Diese extremen Ereignisse stehen in direktem Zusammenhang zu sozialen und strukturellen Schwachstellen, die auf regionaler Ebene das Risiko sowie die Betroffenheit erhöhen, was wiederum durch ein niedriges Bewusstsein von Risiken und das Kurzzeitgedächtnis der betroffenen Gemeinschaft verstärkt werden.

Während Völkerrecht ein internationales Recht auf Leben und ein Recht auf Schutz vor extremen Wetterbedingungen sowie ein Recht auf eine Frühwarnung vor Naturkatastrophen etabliert, liegt die tatsächliche Hauptkompetenz bezüglich vorbeugender Maßnahmen bei nationalen Regierung, die es oftmals versäumen, solche Maßnahmen im Voraus erfolgreich zu kommunizieren. Des Weiteren wird die effektive Distribution von Mitteln für den Wiederaufbau und die Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung in Hochrisiko-Zonen nach einer Katastrophe oft durch die Politik verkomplizieren. Generell lobten Experten die Zusammenarbeit zwischen österreichischen Ministerien, Forschungseinrichtungen und Versicherungsunternehmen in Bezug auf präventive Maßnahmen, während sie allerdings auch argumentierten, dass Risiko oft schwer zu messen und zu kommunizieren ist, was dazu führt, dass in Österreich weniger als 10% der wissenschaftlichen Propositionen auf politischer Ebene umgesetzt werden.

Eine Mischung aus privater und öffentlicher Verantwortung sowie ein Fokus weg von purem ökonomischer Entschädigung angenähert an eine Einbeziehung von Risikokonzepten in nationales und internationales Recht sowie in Flächenplanung würde das System der Katastrophenprävention erleichtern und effizienter gestalten. Die Versicherungsseite konnte beispielsweise Instrumente zur effektiven Reduktion der Katastrophenbetroffenheit in Hochwasser-, Wind- und Erdbebenzonen verbessern und regionale Kenntnisse über das jeweilige Gefährdungsniveau verbessern.


Für mehr Informationen siehe  bitte www.etiatalks.at


Follow us
Impressum  Ι  Kontakt